Beim
Hartanodisieren wird
nicht, wie in der Galvanotechnik, eine galvanische Metallschicht
aufgetragen bzw. niedergeschlagen. Vielmehr findet hierbei eine
chemische Umwandlung der ursprünglichen
Aluminiumoberfläche
statt. Dies geschieht durch Aufnahme von atomarem Sauerstoff, der an
der Anode gebildet, mit Aluminium reagiert und sich zum Aluminiumoxyd
(Al2O3) auf der Metalloberfläche verankert. Hierzu bedient man
sich eines geeigneten Elektrolyten und Strom. Da sich die
Aluminiumoxydschicht aus dem Material selbst herausbildet, ist sie
somit fest mit dem Grundmaterial verbunden.
Im Gegensatz zu Eloxalschichten, deren Porendurchmesser mit
ca.
0,02 µm relativ groß ist und sich daher auch
mittels
Farblösung einfärben lassen, bilden sich beim
Hartanodisieren
Schichten mit viel kleinerem Porendurchmesser und viel
größerer Härte. Dies wird erzielt durch
Abänderung
der Parameter wie Elektrolyttemperatur,
Elektrolytzusammensetzung/-konzentration, höhere Stromdichte
und
längere Expositionszeiten.
Da die Farbstoffpartikel von Färbelösungen
größer
sind als der schichteigene Porendurchmesser, lassen sich im Allgemeinen
Hartoxydschichten nur schlecht einfärben.
Die Hartoxydschicht wächst bei ihrer Entstehung zu ca. 50 % in
die
ursprüngliche Metalloberfläche hinein und zu ca. 50 %
über die ursprüngliche Metalloberfläche
hinaus. Bei
einer Schichtdichte von 50 µm wachsen also 25 µm
ins
Material hinein und 25 µm bauen sich auf die
ursprüngliche
Oberfläche auf (Volumenvergrößerung). Auf
den
Durchmesser eines runden Teiles hat man letztlich einen
Durchmesserzuwachs von insgesamt 50 µm. Dieses ist
insbesondere
bei Passteilen zu beachten.
Hartoxydschichten sind in Bezug auf ihre Härte und ihrer
Schichtdichtenmöglichkeit legierungsabhängig: d.h. je
nach
Legierung des Grundmaterials lassen sich Schichtdicken verschiedenen
Maximums bilden. Hartoxydschichten können zwischen 20 und 150
µm und mehr liegen. Auch ist eine jeweilige
Einfärbung
dieser Schichten je nach Legierung verschieden. Hier trägt die
Schichtdicke auch dazu bei. Die erreichbaren Härten liegen,
wiederum je nach Legierungszusammensetzung und Elektrolytparameter
zwischen 300 - 500 HV (Härte Vickers). Im Gegensatz zur
normalen
Elektrolytschicht, die bei einem Querschliff eine von innen nach
außen hin weichere Konsistenz aufweist, besitzt die
Hartoxydschicht eine von innen nach außen hin durchweg
annähernd gleiche und höhere Härte. Ein
weiterer
wichtiger Faktor ist das elektrische Isolationsvermögen dieser
Schichten. Wenn man bedenkt, dass der Schmelzpunkt des Aluminiums an
sich bei 658 Grad Celsius liegt, ist es erstaunlich, dass eine
ausreichend dicke Hartoxydschicht kurzfristig bis 2000 Grad Celsius
relativ temperaturbeständig ist.


